
Non-Brokered Private Placement: Was der Kapitalgeber über ein Goldprojekt verrät
Oktober 26, 2026
Kilometer oder Gramm – was zählt?
In den Pressemitteilungen von Junior-Goldexplorern tauchen immer wieder zwei Arten von Schlagzeilen auf: Die eine feiert hochgradige Bohrtreffer auf engem Raum – wenige Meter Kernlänge, dafür beachtliche Goldgehalte. Die andere verkündet, dass ein bekanntes Mineralisierungssystem sich um mehrere hundert Meter oder gar Kilometer in eine neue Richtung ausdehnt. Für Einsteiger stellt sich die naheliegende Frage: Welcher Befund hat mehr Gewicht?
Die ehrliche Antwort: Es kommt auf den Zusammenhang an. Eine Erweiterung der Streichlänge – die horizontale Ausdehnung eines Erzgangs oder einer mineralisierten Zone entlang des geologischen Streichens – schafft nur dann Wert, wenn sie mit wirtschaftlich relevantem Gehalt einhergeht und sich in eine Ressourcenschätzung überführen lässt. Dieser Artikel erklärt, wie Anleger die beiden Dimensionen richtig einordnen.
Geologie und Kapitalmarkt: der Rahmen für Bohrresultate
Das Bergbaurecht in Kanada verlangt für öffentlich kommunizierte Ressourcenschätzungen die Einhaltung des NI-43-101-Standards. Dieser Standard unterscheidet grundlegend zwischen Mineral Resources und Mineral Reserves – Begriffe, die häufig verwechselt werden, aber technisch strikt getrennt sind.
Ressourcen werden in drei Kategorien eingeteilt: Inferred (vermutet), Indicated (angezeigt) und Measured (gemessen). Reserven hingegen – Proven und Probable – erfordern eine vollständige wirtschaftliche Machbarkeitsstudie und setzen Modifizierungsfaktoren wie Abbaubarkeit und metallurgische Rückgewinnung voraus. Neue Bohrtreffer fließen zunächst nur in die Ressourcenkategorien ein, nicht automatisch in Reserven.
Wenn ein Junior-Explorer also meldet, seine mineralisierte Zone auf 2,6 Kilometer Streichlänge ausgedehnt zu haben, bedeutet das noch nicht, dass diese Ausdehnung bereits Teil einer offiziellen Ressourcenschätzung ist. Solche Schätzungen entstehen durch separate, aufwendige technische Berichte – und nur dann, wenn das Bohrrasternetz dicht genug ist, um statistische Aussagen über Kontinuität und Gehalt zu erlauben.

Stepout vs. Infill: zwei Bohrstrategien, zwei Aussagen
Anleger stoßen in Berichten von Explorationsprojekten regelmäßig auf diese beiden Begriffe, die unterschiedliche Ziele verfolgen:
Stepout-Bohrungen testen, ob sich eine bekannte mineralisierte Zone in eine neue Richtung ausdehnt – lateral (entlang des Streichens) oder vertikal (in der Tiefe). Sie beantworten die Frage: Wie groß könnte dieses System werden? Ein positiver Stepout-Treffer kann das geologische Modell deutlich erweitern, erhöht aber zunächst vor allem die Kategorie Inferred, weil der Zusammenhang mit dem bekannten Bereich noch nicht engmaschig belegt ist.
Infill-Bohrungen verdichten das bestehende Bohrraster innerhalb einer bereits bekannten Zone. Ihr Ziel ist die Aufwertung von Ressourcen: aus Inferred soll Indicated werden, aus Indicated gegebenenfalls Measured. Diese Konversion ist für den Weg zu einer Machbarkeitsstudie wichtig, denn Projektfinanzierer verlangen üblicherweise, dass ein wesentlicher Teil der Ressourcenbasis mindestens die Kategorie Indicated erreicht.
Zur Veranschaulichung: Ein Goldprojekt war bisher auf einer Streichlänge von einem Kilometer modelliert. Neue Stepout-Bohrungen zeigen Goldmineralisierung in zwei weiteren Zonen, die die Systemlänge auf 2,6 Kilometer erhöhen. Geologisch ist das interessant – aber solange diese neuen Abschnitte nur vereinzelte Bohrlöcher mit niedrigem Gehalt enthalten, verändert sich die wirtschaftliche Substanz kaum. Erst Folge-Infill-Bohrungen mit konsistenten Gehalten über ausreichende Breite ändern das Bild.
Anders sieht es bei einem hochgradigen Treffer aus, der knapp 15 g/t Gold über mehrere Meter Kernlänge liefert, in einem Bereich, der bisher kaum durch Bohrungen erschlossen war. Solche Resultate sind nützlich, wenn sie die geologische Kontinuität eines bekannten Korridors nach oben (up-dip) oder in der Tiefe (down-dip) bestätigen, weil sie das Interpolationsrisiko bei künftigen Ressourcenschätzungen verringern.
| Bohrtyp | Primäres Ziel | Ressourceneffekt | Risiko für Anleger |
|---|---|---|---|
| Stepout | Systemausdehnung testen | Meist neue Inferred-Tonnage | Hohe geologische Unsicherheit |
| Infill | Kontinuität bestätigen | Inferred → Indicated/Measured | Geringere Unsicherheit, höherer Aufwand |
| Definition Drilling | Abbaublock definieren | Basis für Reservenschätzung | Projektreifephase, kapitalintensiv |
Warum Gehaltskontinuität über Länge geht
Ein häufiges Missverständnis: Streichlänge wird mit Wert gleichgesetzt. Das eigentlich ausschlaggebende Kriterium ist aber die Kontinuität des Gehalts entlang dieser Streichlänge. Ein Erzgang, der sich über drei Kilometer erstreckt, an vielen Stellen aber unter die wirtschaftliche Mindestgradgrenze fällt, ist geologisch interessant – ökonomisch jedoch fragmentiert.
Bergbauunternehmen operieren mit sogenannten Cut-off-Graden: einem Mindestgehalt, ab dem ein Gesteinsblock als förderungswürdig eingestuft wird. Liegt der Durchschnittsgehalt neuer Stepout-Abschnitte deutlich unterhalb dieses Cut-off, fließen sie zwar in eine Ressourcenschätzung ein – aber in eine subökonomische Kategorie, die im Wert kaum zu Buche schlägt.
Beim Lesen von Bohrberichten lohnt es sich deshalb, neben der gemeldeten Streichausdehnung auch den Durchschnittsgehalt der neuen Abschnitte zu prüfen, die wahre Mächtigkeit der mineralisierten Zone – und ob die neuen Treffer geologisch mit dem bekannten Ressourcenmodell verbunden sind.
Streichlänge allein sagt wenig
Zonenausdehnung bei Gold-Juniors ist ein mehrdeutiges Signal. Dass überhaupt Mineralisierung über größere Distanzen nachgewiesen wird, deutet auf ein weiträumiges geologisches System hin und kann in einem späteren Ressourcenupdate relevant werden. Offen bleibt aber, ob diese Ausdehnung mit ausreichendem Gehalt, Mächtigkeit und Kontinuität einhergeht, um wirtschaftlich zu zählen.
Der Weg vom Stepout-Treffer zur finanzierungsfähigen Ressource ist lang: weitere Infill-Bohrungen, metallurgische Tests, die Arbeit eines qualifizierten Gutachters und schließlich die Aufnahme in einen NI-43-101-konformen technischen Bericht. Erst dann lässt sich beurteilen, ob die Erweiterung den Projektwert tatsächlich verändert hat – oder ob sie vor allem eine gute Pressemitteilung ergeben hat.
Wichtige Begriffe für Bohrberichte
- Streichlänge (Strike Length)
- Die horizontale Ausdehnung einer mineralisierten Zone entlang ihrer geologischen Hauptrichtung. Wird in Metern oder Kilometern angegeben. Ein Maß für das räumliche Potenzial eines Systems, das nichts über den wirtschaftlichen Gehalt aussagt.
- Stepout-Bohrung
- Bohrloch außerhalb des bisher bekannten Ressourcenumrisses, das die Ausdehnung einer mineralisierten Zone testet. Bei Erfolg erhöht es meist die Inferred-Kategorie einer Ressource.
- Infill-Bohrung
- Bohrloch innerhalb eines bereits bekannten mineralisierten Bereichs, das das Bohrraster verdichtet. Ziel ist die Aufwertung von Inferred- zu Indicated- oder Measured-Ressourcen.
- Cut-off-Grade
- Mindestgehalt (üblicherweise in g/t Gold), ab dem Gestein als wirtschaftlich abbaufähig eingestuft wird. Er bestimmt, welche Bohrabschnitte in eine Ressourcenschätzung einfließen und welche nicht.
- Inferred Mineral Resource
- Niedrigste Ressourcenkategorie nach NI-43-101. Basiert auf begrenzten Bohrpunkten; geologische Kontinuität ist angenommen, aber nicht eng nachgewiesen. Für Machbarkeitsstudien allein unzureichend.
- Indicated Mineral Resource
- Mittlere Ressourcenkategorie. Ein dichterer Bohrdatensatz erlaubt höhere statistische Sicherheit über Gehalt und Kontinuität. Bildet oft die Grundlage für Vorstudien (PEA, PFS).
- Up-dip / Down-dip
- Richtungsangaben entlang des Einfallens einer geologischen Zone. „Up-dip“ bezeichnet den flacheren, oberflächennahen Teil; „down-dip“ den tieferen Teil. Relevant für die räumliche Einordnung von Bohrtreffern.
- Wahre Mächtigkeit (True Width)
- Die tatsächliche Breite einer mineralisierten Zone, gemessen rechtwinklig zur Zonenebene. Sie weicht oft von der im Bohrkern gemessenen Kernlänge ab und ist der aussagekräftigere Wert für wirtschaftliche Überlegungen.
Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken. Er stellt keine Anlageberatung, keine Kaufempfehlung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Investitionen in Explorations- und Bergbauunternehmen mit geringer Marktkapitalisierung (Small Caps) sind mit hohen Risiken verbunden, einschließlich des möglichen Totalverlusts des investierten Kapitals. Vor jeder Anlageentscheidung sollten Sie einen registrierten Finanzberater konsultieren und eine eigene Analyse durchführen. Boersen Post Team übernimmt keine Verantwortung für Entscheidungen, die auf Grundlage der veröffentlichten Inhalte getroffen werden.



