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Die Phase zwischen Machbarkeitsstudie und Baubeginn
In der Welt der Junior-Miner gibt es einen Zeitraum, der in keiner Schlagzeile auftaucht und trotzdem regelmäßig Projekte zu Fall bringt: der Abschnitt zwischen einer positiven Pre-Feasibility Study (PFS) und dem eigentlichen Baubeginn. Eine PFS bestätigt, dass ein Projekt technisch und wirtschaftlich funktioniert. Doch sie bezahlt keine Baumaschinen. Genau hier entsteht eine strukturelle Lücke, die Junior-Unternehmen immer wieder in Bedrängnis bringt.
Das Royalty- und Streaming-Modell hat sich in diesem Umfeld als eine praktische Antwort etabliert. Es ermöglicht Juniors, Kapital aufzunehmen, ohne die Eigenkapitalbasis der bestehenden Aktionäre massiv zu verwässern. Wer neu in Small-Cap-Bergbauinvestitionen einsteigt, sollte diese Mechanik genau verstehen – sie verändert, wie man die Kapitalstruktur eines solchen Unternehmens lesen sollte.
Von der Machbarkeitsstudie zur Bauentscheidung – ein Kapitalmarktproblem
Wenn ein Junior-Miner eine PFS veröffentlicht, hat er in der Regel bereits erhebliche Mittel in Exploration, Ressourcenabgrenzung und Ingenieursarbeit gesteckt. Die Studie liefert Schlüsselkennzahlen: den Nettogegenwartswert (NPV), die interne Rendite (IRR), die Kapitalkosten (CAPEX) und die Betriebskosten (OPEX). Ein robuster NPV bei einem Gold-Underground-Projekt signalisiert, dass das Projekt unter bestimmten Goldpreisannahmen wirtschaftlich tragfähig ist.
Das eigentliche Problem entsteht danach. Bankkredite für frühe Bergbauprojekte sind schwer zu bekommen – traditionelle Kreditgeber verlangen Bankability, also eine vollständige Feasibility Study (FS), Offtake-Vereinbarungen und oft bereits erste Betriebshistorie. Für viele Juniors ist dieser Weg versperrt. Bleibt die klassische Aktienfinanzierung: neue Aktien ausgeben, Kapital einsammeln. Doch das verwässert bestehende Aktionäre und drückt bei schlechter Marktstimmung den Kurs.

Die Mechanik des NSR-Royalty-Modells
Beim Net Smelter Return (NSR) Royalty-Modell verkauft der Projekteigentümer – in diesem Fall der Junior-Miner – dem Royalty-Unternehmen das Recht auf einen fixen Prozentsatz der zukünftigen Erlöse aus dem Metallverkauf. Dieser Prozentsatz bezieht sich auf den Nettobetrag, den der Betreiber nach Abzug von Verhüttungs- und Raffineriekosten erhält. Im Gegenzug bekommt der Junior heute Kapital – ohne neue Aktien ausgeben zu müssen.
Ein vereinfachtes Beispiel: Ein Junior hält ein Goldprojekt mit einer geplanten Jahresproduktion von 50.000 Unzen. Er verkauft ein 2-prozentiges NSR-Royalty für einen einmaligen Betrag von 10 Millionen Dollar. Das Royalty-Unternehmen erhält ab Produktionsbeginn 2 % des Erlöses aus jeder verkauften Goldunze – für die gesamte Lebensdauer der Mine. Der Junior nutzt das frische Kapital, um die Bauphase zu überbrücken.
Die Belastung ist real: Eine NSR-Royalty ist keine Schuld, die zurückgezahlt wird – sie haftet dauerhaft am Projekt und reduziert den Cashflow des Betreibers in jedem einzelnen Produktionsjahr. Beim Bewerten eines Junior-Projekts muss man die bestehenden NSR-Belastungen kennen und in den eigenen NPV-Modellen berücksichtigen.
| Finanzierungsinstrument | Verwässerung? | Rückzahlung? | Dauerbelastung für Projekt? |
|---|---|---|---|
| Aktienemission (Equity) | Ja | Nein | Nein |
| Bankkredit (Debt) | Nein | Ja, mit Zinsen | Nein (nach Rückzahlung) |
| NSR-Royalty | Minimal | Nein | Ja – dauerhaft |
| Streaming | Minimal | Nein | Ja – dauerhaft |
Was NPV-Sensitivitäten Anlegern verraten
Ein zentrales Werkzeug zur Bewertung von Bergbauprojekten ist die NPV-Sensitivitätsanalyse. Dabei wird berechnet, wie stark der Nettogegenwartswert schwankt, wenn sich der Rohstoffpreis, die Betriebskosten oder der Diskontsatz verändern. Gute PFS-Dokumente enthalten eine solche Tabelle – und Anleger sollten sie lesen.
Die Sensitivität auf den Goldpreis ist besonders aufschlussreich: Wenn ein NPV bei einem Goldpreis von 1.900 USD/oz positiv ist, bei 1.600 USD/oz aber ins Negative kippt, handelt es sich um ein Projekt mit geringer Preistoleranz. Eine bestehende NSR-Royalty verstärkt diesen Effekt – sie reduziert den Erlös des Betreibers pro Unze linear, sodass bei fallenden Goldpreisen die Marge doppelt schrumpft: durch den niedrigen Preis und durch die Royalty-Abgabe.
Umgekehrt gilt: Ein Projekt mit niedrigen CAPEX, hohem Goldgehalt und kurzer Rückzahlungsdauer kann eine NSR-Royalty gut verkraften. Das ist das klassische Profil eines Royalty-Projekts, das für beide Seiten funktioniert – robust genug für die Belastung, aber kurzfristig kapitalarm genug, um einen Royalty-Deal attraktiv zu machen. Wer solche Konstellationen erkennt, kann einschätzen, ob ein Royalty-Deal ein Zeichen von Stärke oder Schwäche ist.
Was Anleger aus dem Royalty-Modell mitnehmen können
Das Royalty-Modell löst nicht alle Probleme – aber es zeigt, wie komplex die Kapitalstruktur eines Junior-Miners sein kann. Wer in Small Caps investiert, sollte nicht nur den Goldgehalt oder den NPV eines Projekts betrachten. Wie viel NSR-Royalty lastet bereits auf dem Projekt? Wer hält diese Royalties, und zu welchen Konditionen wurden sie vergeben? Das sind keine Nebenfragen.
Ein Projekt mit mehreren gestapelten Royalties aus verschiedenen Finanzierungsrunden kann selbst bei hohem NPV für den Betreiber wenig übrig lassen. Eine einzige, gut strukturierte NSR-Vereinbarung dagegen kann genau den Kapitalengpass lösen, der sonst ein vielversprechendes Projekt zum Stillstand bringt.
Der Rohstoffzyklus spielt dabei immer mit: In Hochpreisphasen sind Royalty-Deals weniger notwendig, weil Juniors leichter Eigenkapital aufnehmen können. In schwächeren Märkten – oder in Regionen mit erhöhtem politischem Risiko – werden Royalty-Partner zur realen Alternative. Das Copperstone-Projekt in Arizona ist ein Beispiel für dieses Muster: regulatorisch stabiles Umfeld in den USA, unterirdisches Goldprojekt mit überschaubarem CAPEX, und ein Royalty-Partner, der die Lücke zwischen PFS und Baubeginn schließt. Ob das im konkreten Fall gut verhandelt wurde, steht auf einem anderen Blatt.
Wer verstehen will, wie Rohstoffprojekte wirklich finanziert werden, kommt am Royalty-Modell nicht vorbei. Es macht sichtbar, wie Kapitalkosten, Projektwert und Aktionärsrendite miteinander zusammenhängen – und warum die Aktienanzahl allein als Maßstab oft nicht reicht.
Schlüsselbegriffe
- NSR-Royalty (Net Smelter Return)
- Recht auf einen fixen Prozentsatz des Erlöses aus dem Metallverkauf nach Abzug von Verhüttungs- und Transportkosten. Haftet dauerhaft am Projekt, nicht am Betreiber.
- Pre-Feasibility Study (PFS)
- Technisch-wirtschaftliche Studie, die belegt, ob ein Bergbauprojekt unter realistischen Annahmen profitabel betrieben werden kann. Weniger präzise als eine vollständige Feasibility Study, aber ausreichend für viele Finanzierungsentscheidungen.
- NPV (Net Present Value / Nettogegenwartswert)
- Kennzahl, die alle zukünftigen Cashflows eines Projekts auf den heutigen Wert abdiskontiert. Je höher der NPV, desto wertvoller das Projekt – unter den getroffenen Annahmen.
- CAPEX (Capital Expenditure)
- Investitionskosten für den Bau und die Inbetriebnahme einer Mine. Niedriger CAPEX bedeutet weniger Kapitalbedarf und schnellere Amortisation.
- Streaming
- Ähnlich wie Royalties, aber hier kauft der Streaming-Partner im Voraus das Recht, künftige Metallproduktion zu einem vorab vereinbarten, günstigeren Preis zu erwerben.
- Verwässerung (Dilution)
- Sinken des prozentualen Anteils bestehender Aktionäre durch die Ausgabe neuer Aktien. Ein zentrales Risiko bei Eigenkapitalfinanzierungen von Juniors.
- Indicated Resources vs. Proven Reserves
- Indicated Resources (NI 43-101) bezeichnen abgegrenzte, aber noch nicht vollständig bestätigte Mengen. Proven Reserves sind die höchste Konfidenzklasse und Grundlage bankfähiger Finanzierungen. Beide Begriffe sind nicht austauschbar.
⚠️ Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken. Er stellt keine Anlageberatung, keine Kaufempfehlung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Investitionen in Explorations- und Bergbauunternehmen mit geringer Marktkapitalisierung (Small Caps) sind mit hohen Risiken verbunden, einschließlich des möglichen Totalverlusts des investierten Kapitals. Vor jeder Anlageentscheidung sollten Sie einen registrierten Finanzberater konsultieren und eine eigene Analyse durchführen. Boersen Post Team übernimmt keine Verantwortung für Entscheidungen, die auf Grundlage der veröffentlichten Inhalte getroffen werden.




